Dienstag, 30. Juni 2015

Berge

30. Juni ■ Peter Tavi - Campingplatz bei Barnstaple (80 km)

Frühstück
Nach einem tollen Frühstück starteten wir kurz vor 10 Uhr. Die Route verlief weiter so, wie sie gestern endete - steil und anfangs auf fast unbefahrbaren Waldwegen.

So erreichten wir für die ersten 30 Kilometer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 11 km/h. Ein 50 kg schweres Rad bei praller Sonne einen 16%-Berg hinaufzubringen, ist eine eigenartige Freizeitbeschäftigung (denkt man in solchen Momenten). Zum Glück verliert man die Höhenmeter nicht und so fuhren wir flott auf einer alten Bahntrasse nach Okehampton.
Radweg Nr. 27 - manchmal auch so

Als die offizielle Route 27 hinter Okehampton wieder einen steilen Berg hinauf ging, beschlossen wir, am Fluss zu bleiben. Das Navi zeigte uns schöne kleine Straßen. Links und rechts waren meist hohe Hecken und bei Gegenverkehr musste einer von beiden eine Ausweichbucht ansteuern (was aber selten vorkam).

Meilensteine / Wegweiser
Überhaupt erscheinen uns die englischen Autofahrer sehr rücksichtsvoll und diszipliniert. Manchmal bleiben sie sogar an Stellen stehen, wo noch sehr viel Platz zum Vorbeifahren wäre. Und kein Hupen oder Schimpfen, wenn man an einer komplizierten Kreuzung kurz auf der falschen Straßenseite landet.

So fuhren wir weiter in praller Sonne in munterem Auf und Ab (wir hätten wahrscheinlich auch auf der offiziellen Route bleiben können) bis zur letzten großen Abfahrt nach Barnstaple.

Abends am Campingplatz
Dort hatten wir die Wahl: Schickimicki- Campingplatz am Fluß oder 150 Höhenmeter hinauf. Wir sind dann oben angekommen, ziemlich durchgeschwitzt und auch Andis Knie tut weh. Als Entschädigung gibt es von hier eine tolle Aussicht.
Campinghase


Bilder vom Maker Camping

Auf Maker Camping verbrachten wir 3 Nächte. Dies war unser erster Campingplatz in England und zugleich einer der ungewöhnlichsten und schönsten, die wir bisher kennenlernten - eine riesige Wiese auf einem Hügel hoch über der Stadt und dem Meer; alternativ geprägt.
Ganz im Gegensatz hierzu stand der letzte französische Campingplatz - teuer, steril, gestylt und mit Kinderanimation...
Meerjungfrau

Pub und der weitere Weg zum "Bathroom"

Kitchen

Kantine

Talblick

Was für eine Aussicht? 


Montag, 29. Juni 2015

Auf Abwegen im Dartmoor

29. Juni ■ Maker Camping bei Plymouth - Churchtown Peter Tavi bei Tavistock (70 Kilometer und einige Höhenmeter)

Plymouth
Ordentlich gestärkt durch Selfmade-Porridge um dem voraussichtlich recht anspruchsvollen Tourprofil zu genügen, saßen wir kurz gegen halb elf auf dem Sattel. Zurück in Plymouth herrschte an der Torpoint Ferry Hochbetrieb; 2 Fähren im Einsatz. Vorher erstanden wir noch  ein englisches Ladegerät; unsere Stecker sind nicht kompatibel. Andis Handy konnte der Chef aber leider nicht reparieren.

Radfahrernachtisch
Danach fuhren wir ewig, wie meist in der Großstadt, auf teils steilen Straßen durch Plymouth bis wir an einem gigantischen Autobahnkreuz endlich auf das National Cycle Network stießen. Klasse, wenn alle Wege so sind wie heute. Dann lässt sich in England ausgezeichnet Rad fahren.

Dartmoor...
Die Strecke führte anfangs auf einer alten Bahnstrecke im Tal des Plym- River ständig leicht bergauf. Nach etwa 20 Kilometern begann das bekannte Dartmoor (hier lebt der Hund von Baskerville ;-) ), wo es auf kleinen Straßen oder Radwegen langsam, aber stetig voran ging. Die Landschaft ist  ziemlich hügelig und traumhaft grün.

Das Dartmoor ist eine Graslandschaft mit kleinen Büschen, auf dem viele Schafe und andere Tiere weiden. Manchmal führt die Armee hier Schießübungen durch, die durch Flaggen angekündigt werden.

...und die Ponies
Hier ging es nicht weiter
Leider übersahen wir während der Freude und dem Schwärmen über die Schönheit der Umgebung einen Radwegweiser und vertrauten blind dem Navi. So kamen wir nach mehreren Kilometern und einigen hundert Höhenmetern an einen Public Bridle Way, der für Radfahrer völlig ungeeignet war. Wir landeten in der Pampa und "klebten" am Hügel auf einem mittlerweile holprigen mit groben Steinen übersäten Weg und fragten uns schon, wo es weitergehen wird. 

Bed & Breakfast
Unser Ziel, Okehampton zu erreichen, war damit  passé. Auf der Hinfahrt hatten wir bereits eine Bett & Breakfeast-Unterkunft gesehen; etwa an der Stelle, an der wir falsch abbogen und den steileren Weg wählten ;-). Diese war schon belegt, aber die sehr nette Dame gab uns einige Tipps und Telefonnummern und  gleich nebenan war noch ein Zimmer frei.

Das Haus und das sehr freundliche ältere Paar entsprechen im positiven Sinne allen gängigen Klischees über England - großes Haus mit vielen Erinnerungsstücken, gepflegter englischer Garten mit Pferden, alte Möbel, Uhr mit Westminster-Glockenschlag, knarrende Dielen. Dies ist alles sehr romantisch, wie auf einem Schloss.

Sonntag, 28. Juni 2015

Wandern in Cornwall

28. Juni ■ Maker Camping - Rame Head - Maker Camping (15 km zu Fuß)

Auf einem Public Footpath
Das Wetter heute früh war so, wie man es von England erwartet - kalt, Nieselregen und Wind. So frühstückten wir gemütlich in der Campingkantine. Diese bietet ein sehr gutes, auch vegetarisches, Essen an und erinnert an die Grüne Helene in Chemnitz.

Eingepackt in Regensachen brachen wir dann auf (etwas geänderte Tour 14 aus dem Rother Wanderführer Cornwall/Devon). Etwas ungewöhnlich am Anfang ist, dass alle Grundstücke eingezäunt sind und man nur Straßen oder Public Footpath benutzen kann (die es jedoch hier reichlich gibt).

Cawsand
Wegweiser für Public Footpath
Wir liefen durch eine sehr schöne und hügelige Landschaft über Wiesen und Weiden und verliefen uns mehrmals, da wir keine Karte haben. Nach reichlich einer Stunde erreichten wir die Küste und folgten dem South West Coast Path, der über 1.000 Kilometer lang ist. Nachmittags kam sogar die Sonne heraus.

Kleine Straße mit großen Hecken
Da wir mittlerweile genug Küste gesehen haben, gingen wir, nachdem wir die beiden Fischer- und Schmugglerdörfer Cawsand und Kingsand durchquert hatten, quer durch den Mount Edgcumbe Country Park mit phantastischen Ausblicken auf Plymouth. Weil wir keinen englischen Steckdosenadapter haben, ging dem Fotoapparat der Strom aus, so dass wir hier keine Fotos mehr knipsen konnten.

Der Küstenpfad
Vorbei an der einsamen Maker Church erreichten wir den Campingplatz.
Plymouth
In Kingsand


Maker Church

Samstag, 27. Juni 2015

Erkundungstag

27. Juni ■ Maker Camping - Plymouth - Maker Camping (18 km)

Panorama vom Campingplatz
Nach der gestrigen Nacht (wir gingen erst um 2 Uhr zu Bett) schliefen wir heute aus. Da wir vergessen hatten, die Uhren umzustellen, erschienen wir zu früh an der Campingkantine, die erst 9 Uhr 30 öffnete. Andi nahm ein english breakfast, wird wohl auch das letzte gewesen sein (mit Würstchen, Schinken, Bohnen und interessant zubereitetem Ei). Sandi bevorzugte die bekömmlichere Veggi-Variante. Noch ein Kaffee, und die Welt war in Ordnung.

Panorama (2)
Danach fuhren wir nach Plymouth. Immer schön bergab... Da die Cremyll Ferry verkehrte, war der Weg auch wesentlich kürzer als gestern.

Panorama (3)
In Plymouth war heute Armeefest mit Flugschau (Kunstflieger, Hubschrauber und Jets). Entsprechend viele Menschen waren unterwegs. Das Stadtzentrum wurde im 2. Weltkrieg zerstört und in den 50er Jahren neu aufgebaut - die erste Fußgängerzone in Großbritannien. So schlenderten wir einige Stunden durch die Stadt. Beim Auffüllen der Lebensmittelvorräte mussten wir feststellen, dass die Preise hier wesentlich höher als in Frankreich sind. Dafür haben die Supermärkte 7 Tage die Woche von 6 - 23 Uhr geöffnet.

Fähre zwischen Devon und Cornwall
Auf dem Rückweg trafen wir unsere englischen Radfreunde aus Chesterfield, die uns schon gestern zu einem Besuch eingeladen hatten.

Uferpromenade in Plymouth
Der richtige Appetit auf Sandis selbstgekochte Spaghetti wurde bei der Rückkehr auf den Campingplatz "erarbeitet".

Freitag, 26. Juni 2015

Wellenreiten

26. Juni ■ Carantec - Maker Camping bei Plymouth (39 km mit dem Rad und Fährfahrt über den Ozean  180 km Luftlinie)

Mobile Home mobil
Heute ergab sich durch die erst am Nachmittag ablegende Fähre, dass wir ausschliefen und alle Zeit der Welt hatten. Das hieß konkret, dass wir halb neun aus dem Zelt blinzelten und ein letztes gemütliches, reichhaltiges Déjeuner in Frankreich genießen konnten. Die Fahrradklamotten blieben bei Sandi gleich in der Tasche so überschaubar waren die Kilometer (23 km bis zum Hafen).

Abschied von Frankreich
Frankreich verabschiedete sich mit wolkenverhangenem Himmel und etwas küstenhügeliger Strecke. In Roscoff, einem urigen, kleinem (3.000 Einwohner) und (noch?) nicht von Tourismus verunstaltetem Städtchen kam uns eine Patisserie wie gerufen. An dieser ließen wir unsere Zeit, hier landesgemäß bei Quiche und Obsttartelett ausklingen.

2.016 Kilometer quer durch Frankreich... wir sind gespannt auf England.

Ausfahrt aus dem Hafen
Die Fähre (Brittany Ferries) ein in Finnland gebautes französisches Schiff (interessanterweise unter bretonischer Flagge), legt die Strecke nach Plymouth in fünfeinhalb Stunden mit 42 km/h zurück.
Mit an Bord Radfahrer aus England und den Niederlanden, mit denen wir Erfahrungen und letztendlich Adressen  austauschten.

Stimmung an Bord
Der Seegang auf dem Atlantik ist kräftiger als auf der Ostsee, so dass die Fähre viel stärker schaukelt als das auf dem Weg  nach Helsinki der Fall war. Seekrank wurden wir aber nicht :-). Eine französische Blaskapelle sorgte im stimmungsvollen Jazzstil für Abwechslung und gute Laune an Bord.

Der weitere Verlauf des Tages wurde doch noch ziemlich anstrengend. Wir verließen die Fähre gegen 22 Uhr. Der Linksverkehr war kein Problem; Andis Worte noch im Hafenbereich: "Ich habe mich schon an den Linksverkehr gewöhnt" ;-).

Ankunft in England
Wir nutzen die kettenbetriebene Torpint Ferry, um über den Tamar-Fluss zu gelangen. Bis zum Campingplatz "Maker Camping" fuhren wir bei Dunkelheit nochmals 16 km im Auf und Ab einige sehr schmale und (bis 16 %) steile Straßen. Auch zwei Einheimische erkundigten sich, was wir zu so später Stunde vorhaben und boten uns Hilfe an.

Kurz vor 24 Uhr kamen wir an. Zum Glück hatte der hiesige, kleine "Pub" á la VoXX noch geöffnet, sogar mit einigen tollen Musikeinlagen der gerade mal 10 Gäste/ Einheimischen (Gesang mit Gitarrenbegleitung und Sologesang). Ganz toll. Die Müdigkeit und Anstrengung waren wie weggeblasen. Die 2 wohlschmeckenden Bier gab es auf Vertrauen, da die Euro nicht akzeptiert sind und wir erst morgen umtauschen können. Auch hier wieder sehr aufgeschlossene Leute mit sogar Extrabeifall dafür, dass wir mit dem Rad kamen.

Insgesamt ein sehr gelungener Start in England. Auf unserer nächtlichen Fahrt wechselten wir übrigens von Devon nach Cornwall.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Auf dem alten Bahnweg durch das armorikanische Massiv

25. Juni ■ Carhaix-Plouguer - Carantec (76 km)

Auf dem Bahnradweg
Die Tage in Frankreich sind leider gezählt. 

Heute starteten wir nach einer ruhigen Nacht, umgeben von einer Menge französischer Radfahrer, am späten Vormittag. Die Strecke war überschaubar, zumeist auf dem Bahndamm. Nach 10 Kilometern schöner Landstraße trafen wir wieder auf den Bahnradweg - und wir waren sehr froh, dass es ihn gibt, da die Landschaft sehr hügelig ist. Die französischen Rennradfahrer sind trotzdem auf den hügeligen Straßen unterwegs, wir genießen die Fahrt entspannter ;-).
Eisenbahnviadukt in Morlaix

Der Radweg führte uns durch das Naturschutzgebiet "Pärc naturel d'Armorique", vorbei am Fluss Aulne nach Morlaix. Unterwegs trafen wir ein Radlerpärchen aus Belgien.

Schade, dass es mit dem Wandertag im Naturpark nicht geklappt hat.

Bucht des Morlaix
In Morlaix, einem schönen kleinen Ort, gibt es eine imposante Eisenbahnbrücke aus dem 19. Jahrhundert zu bewundern. Die Stadt Morlaix liegt an Mündung des Flusses Morlaix. Diese weitet sich über 15 Kilometer zu einer schönen Bucht auf. An deren linken Ufer gelangten wir nach Carantec.

Carantec liegt auf einer Halbinsel. Die Stadt ist auf Tourismus ausgerichtet, laut Wikipedia haben viele Leute hier ein Sommerhäuschen. Es gibt 2 "Rekorde" zu vermelden: zum 1. Mal übernachteten wir auf einem 5-Sterne-Campingplatz -nicht unser Ding- und das zum stolzen (Höchst)Preis von 28 €.
Abendstimmung am Aussichtspunkt
bei einer Flasche Rotwein
Andis Arbeitsplatz am Abend
 -links: keine Muscheln sondern Paranüsse ;)-

Mittwoch, 24. Juni 2015

Im grünen Herzen der Bretagne

24. Juni ■ Kergroës - Carhaix-Plouguer (83 km)

Bahndamm als Radweg - nicht asphaltiert,
aber trotzdem gut befahrbar
Nach 2 Wandertagen wurde es Zeit, sich wieder einmal auf den Sattel zu schwingen. Der Plan ist, von Kergroës in 2 Etappen in das genau nördlich liegende Roscoff zu gelangen. Auf dem Weg dorthin sind einige Hügel zu überwinden.

Bahnhof
Die ersten 30 Kilometer bis nach Scaër folgen wir meist sehr ruhigen kleinen Straßen. An einigen Stellen kam man ordentlich ins Schwitzen, aber alles vertretbar. Die Landschaft war geprägt durch Felder und kleine Wälder.

In Scaër stießen wir auf eine als Radweg ausgebaute Bahnstrecke, unser Tempo erhöhte sich. Mittlerweile war die hügelige Gegend bewaldet. Die Bretagne zeigte sich von einer neuen Seite.

Wir kreuzen den Kanal Nantes - Brest
So fuhren wir durch eine schöne Landschaft auf der Bahntrasse, kreuzten den Kanal Nantes-Brest und stießen schließlich sogar auf den Eurovelo 1, den wir bereits in Nantes gekreuzt hatten. Dieser führt von Portugal an der Atlantikküste bis zum Nordkap, das wäre auch mal eine spannende Tour. Wir werden dem Weg ein paar 100 Kilometer folgen, voraussichtlich bis Bristol.

Carhaix-Plouguer
In Carhaix-Plouguer war der Eurovelo gesperrt und wir nahmen eine Ausweichroute durch die Stadt.

Dort gefiel es uns so gut, dass wir kurzerhand den städtischen Campingplatz ansteuerten und den Tag bei hervorragender französischer Küche ausklingen ließen. Eigentlich wollten wir noch 20 Kilometer weiter fahren, aber wir haben uns mittlerweile damit abgefunden, dass man in Frankreich öfters mal hängen bleibt und auch sein Gewicht nicht wesentlich reduziert ;-).



Bilder aus der Bretagne

Morgengruß

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