Dienstag, 21. Juli 2015

Bahnfahrt nach Hause

21. Juli ■ Duisburg - Chemnitz (10 Kilometer mit dem Rad, ... Kilometer mit der Bahn)

Abschied von Duisburg
Bei recht warmem Wetter reisten wir mit der Bahn quer durchs Land. Die meisten Regionalzüge sind moderne Doppelstockwagen, bei denen man auch mit einem voll bepacktem Rad gut einsteigen kann.

Wir fuhren über Löhne, Braunschweig, Magdeburg Leipzig und Geithein nach Chemnitz.
Ankunft in Chemnitz

Wieder zu Hause
Gegen 21 Uhr trafen wir nach 3.698 Kilometern auf dem Sattel zu Hause ein und freuen uns nach fast 8 Wochen Nomadendasein darauf:
- wieder in richtigen Betten zu schlafen
Wieder zu Hause 
- in den Schrank zu greifen und frische Hemden zu finden
- nicht mehr jeden Tag das Zelt auf- und abzubauen
- eine Spülmaschine zu haben (Andi)
- abends gemütlich auf der Terrasse zu sitzen
- die nächste Reise zu planen
- ... und vieles mehr... ;-)




Hier geht's weiter.

Montag, 20. Juli 2015

In der alten Heimat

20. Juli ■ Xanten - Duisburg (76 Kilometer)

Radweg bei Xanten
Ziel des heutigen Tages und gleichzeitig Abschlussetappe war Duisburg, wo wir von 1989 bis 1992 wohnten und uns sehr wohl fühlten.

Von der Nordsee bis in die Alpen ;-)
Mittagspause
Nach einen schönen Frühstück im Hotel fuhren wir zum Bahnhof und waren erstaunt, einen mit einem Menschen besetzten Fahrkartenschalter vorzufinden. Normalerweise kämpft man heutzutage an kleineren Bahnhöfen mit den Automaten ;-). Wie befürchtet, waren alle Fahrradplätze in IC-Zügen bereits ausgebucht, so dass wir, wie im vergangenen Jahr, ein Quer-durchs-Land-Ticket kauften (erstaunlich preiswert im Vergleich zu den sonst bei der Bahn üblichen Preisen).

Ankunft in Duisburg
Bei bedecktem Wetter fuhren wir auf schönen und gut ausgeschilderten Radwegen Richtung Duisburg. Die Ortsnamen und die Gegend waren uns bekannt und wir fühlten uns fast wieder ein bisschen heimisch.

Kurz vor Duisburg gab es ein spätes Mittag im Apfelparadies mit frischen Erdbeeren und Kirschen sowie lecker Kuchen.

In Duisburg Rumeln-Kaldenhausen besuchten wir unsere alte Wohnung und auch den Elfrater und den Töppersee, wo wir mit dem kleinen Franz früher badeten und spielten. Leider herrschte unangenehmes Nieselwetter.

Hier wohnten wir 2 Jahre
Dann fuhren wir in Andis früheres Büro am Kaiserberg im Zentrum (Schande: die ca. 10 Kilometer lange Strecke ist er heute zum ersten mal mit dem Rad gefahren ;-) ). In Rheinhausen überquerten wir, zum letzten Mal auf dieser Tour, den Rhein.

Abschied vom Rhein in Rheinhausen
Das Zentrum Duisburg ist nicht sehr schön, vergleichbar mit Chemnitz. Es gibt keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Aber gerade das macht für uns vielleicht den Reiz dieser Stadt aus: kein Schickimicki, alles normale Leute wie wir. Hier wohnen auch viele Ausländern. Insofern ist es bedauerlich, dass heute selbst hier ein trauriges Pegida-Häufchen demonstrierte (ca. 50 Personen). Bei einem längeres Gespräch mit einem Pegida-Anhänger hörten wir die schon aus Chemnitz bekannten Phrasen (Lügenpresse, Scheißstaat, Verschwörungstheorien, Geheimvideos usw.).
Hier arbeitete Andi 2 Jahre

In einer "Absteige" nah am Bahnhof fanden wir für 59€ Unterkunft und schlossen den Tag mit einem Bummel durch das Zentrum und einem Besuch beim Kroaten ab.


Sonntag, 19. Juli 2015

Rückkehr nach Deutschland

19.Juli ■ Arnhem - Xanten (96 Kilometer)

Die letzten Kilometer in Holland
Schade, am Morgen war schlechtes Wetter mit Nebel und Niesel, so dass wir ein nasses Zelt einpacken mussten. Mittlerweile sind war aber ziemlich eingespielt, so dass auch in solchen Situationen kein Frust aufkommt.

Grenze
Am Rhein
Entlang der Knotenpunke fuhren wir nördlich an Arnhem vorbei. Es ist erstaunlich, wie viel schöne und unverbaute Natur es in den dicht besiedelten Niederlanden gibt. Gegen 12 Uhr trafen wir in Didam ein. Eigentlich wollten wir noch eine Stunde radeln, aber der Regen trieb uns in eine kleine Gaststätte mit überdachtem Außenbereich.

Xanten
Weiter ging es durch eine leicht hügelige und grüne Landschaft durch Wald und Naturschutzgebiete Richtung deutscher Grenze. Diese verpassten und mussten für das obligatorisch Grenzfoto zurückfahren, als wir die deutsche Autobahn überquerten. Ein schönes Zeichen europäischer Integration. Nach 3.573 Kilometern auf dem Rad sind wir wieder in Deutschland.

In Emmerich überquerten wir den Rhein. Weitere 10 Kilometer führte der Radweg entlang einer Straße, dann sehr schön auf dem Damm. Nachmittags zeigte sich sogar die Sonne!

Unser heutiges Ziel war die schöne alte Stadt Xanten. Abends bummelten wir durch die Stadt und gingen zum Jugoslawen. Es ist ungewohnt, aber auch wieder schön, dass man sich mit den Leuten auf Deutsch unterhalten kann ;-). Nach 8 Wochen im Ausland hat man sich angewöhnt, erst einmal abzuklopfen, welche Sprache(n) der Gesprächspartner beherrscht.




Samstag, 18. Juli 2015

Knotenpunkte

18. Juli ■ Woerden - Arnhem (92 km)

Campingplatz in Woerden morgens
Bis Utrecht fuhren wir auf kleinen Straßen mit Rückenwind. Auch heute wieder waren die holländischen Radwege ein Genuss!

Der Weg in das Zentrum von Utrecht (328.000 Einwohner) führte größtenteils durch Neubaugebiete. Dafür war das Zentrum, geprägt durch Dom, Kanal und einen Marktplatz, umso schöner. Wie auch schon in Rotterdam war die Durchfahrt durch die Stadt stressfrei und problemlos.
Dom in Utrecht

Danach erreichten wir ein Naturschutzgebiet. Die Strecke war, zumindest für hiesige Verhältnisse, hügelig.

Kurz vor Amerongen, wir saßen auf einer Bank und verzehrten unsere Mittagsbrote, kam eine Frau aus dem gegenüberliegenden Haus (wahrscheinlich ein Seniorenwohnheim) und fragte, ob sie uns Kaffee bringen darf. Wir unterhielten uns mit ihr (auf englisch, im westlichen Teil der Niederlande wird kaum Deutsch gesprochen), sie ist früher gemeinsam mit ihrem Mann viel Rad gefahren.

Utrecht Zentrum
Nach dem Mittag besuchten wir die eindrucksvolle und sehr gepflegte Gedenkstätte an die Schlacht am Grebbeberg. Hier fanden im Mai 1940 Kämpfe zwischen Niederländern und Deutschen mit vielen Toten statt.

Knotenpunkt-Übersichtskarte
Unser letzter Campingplatz in der Nähe von Arnhem
Da auch unser zweites Handy kaputt gegangen war, navigierten wir nur noch nach Beschilderung. Es gibt hier zwei Arten von Radwegen: rot beschilderte Wege führen direkt von A nach B, meist auf separaten Radwegen entlang von größeren Straßen. Parallel hierzu exisitiert ein System von grün beschilderten Knotenpunkten. Wenn man einen Knotenpunkt erreicht hat, wählt man den nächsten aus. An jeder Knotenpunkt befindet sich eine Tafel, auf welche das Wegesystem im Umkreis von ca. 30 Kilometern angezeigt wird. Dieses System eignet sich perfekt, wenn man die Landschaft kennenlernen möchte, ohne schnell ein Ziel erreichen zu müssen.

Abends erreichten wir einen Campingplatz, leider etwas laut, da in der Nähe der Autobahn gelegen. Die Rezeption hatte bereits geschlossen, so dass wir keinen Zutritt zur Dusche hatten. Sehr hilfsbereite Nachbarn kümmerten sich um uns, so dass wir schließlich doch noch einen Schlüssel bekamen und unsere letzte Übernachtung in den Niederlanden in guter Erinnerung verbleibt.

Freitag, 17. Juli 2015

Speedy Gonzales mit Rückenwind

17. Juli ■ Ouddorp - Woerden (109 km)

Radwegkreuzung
Heute gibt es sowohl für Stimmung als auch Landschaft ein "Extrasternchen". Nachdem der gestrige Tag etwas zäh und unerfreulich verlief, glich dies der heutige Tag aus. Und wir lernten auch freundliche Niederländer kennen und campen auf einem sehr angenehmen Zeltplatz ;-).

Rotterdam Zentrum
Der "offizielle" R1 führt von Ouddorp weiter entlang der Küste in das nördlich gelegene Hoek van Holland. Da der heute recht starke Wind aus Südwest kam, entschieden wir uns, nach Nordost über Rotterdam nach Woerden zu fahren.

Unter dem Meeresspiegel
(-13 Meter ist aber übertrieben)
Alt und Neu
Das Radwegnetz ist einfach unglaublich gut ausgebaut. Selbst in Rotterdam kamen wir, außer an Ampeln oder Wohnstraßen mit Tempo 30, nie mit dem Autoverkehr in Kontakt. Man findet Wegweiser an praktisch jeder relevanten Kreuzung.

Rotterdam Vorort
Die Landschaft ist extrem flach, z.T. unter dem Meeresspiegel. Der tiefste Teil von Rotterdam immerhin minus 6 Meter. Hoffentlich fallen die Pumpen nicht aus ;-). Die Nieuwe Maas unterquert man in einen Fußgänger/Fahrrad-Tunnel, jeweils mit separater Etage. Rotterdam ist sehr modern, das Zentrum wurde im 2. Weltkrieg komplett zerstört. Heute dominieren dort Hochhäuser.

Der weitere Weg führte entlang von Kanälen, vorbei an gepflegten Häusern durch eine schöne Landschaft.

Unser kleiner Campingplatz befindet sich am Rand des netten Städtchens Woerden. Am Abend lernten wir ein nettes Camperpärchen aus Quimper in der Bretagne kennen und unterhielten uns bis sehr spät in die Nacht bei einer Flasche Wein.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Auf dem Nordseeküstenradweg

16. Juli ■ Middelburg - Ouddorp (74 km)

Sperre
Der Europaradweg R1 und der Nordseeküstenradweg sind hier identisch (der R1 wird in der Beschilderung nicht erwähnt). So folgten wir diesem überwiegend. Es herrschte heute zur Abwechslung starker Gegenwind aus Nord, so dass wir, besonders auf den Deichen, nur mit 12 km/h voran kamen. Außerdem ist der Weg sehr stark am Küstenverlauf orientiert, mit all den Hügeln in der Weite der großen Dünen, die teils als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind.
Weg durch die Dünen

Alternativ hätten wir natürlich jederzeit etwas abseits der Küste fahren, womit man heute schneller von A nach B gekommen wäre. Hierzu gibt es ein Knotensystem von nummerierten Radwegen - man wählt eine Strecke aus, folgt der entsprechenden Nummer bis man an einem neuen Knoten (Knooppunt) angekommen ist.

Wir überfuhren mehrere Sturmflutwehre, sehr imposante Bauwerke, welche offen stehen und nur bei anstehenden Sturmfluten (ca. 4 mal pro Jahr) geschlossen werden. Das Schließen dauert 82 Minuten.
Küstenlandschaft

Nordseestimmung am Abend
In Burgh-Haamstede gerieten wir blöderweise zu einem Campingladen, vor dem man sich besser hüten sollte. Andi fragte den Verkäufer nach einer benötigten Gaskartusche mit Schraubsystem und erhielt eine. Auf nochmalige Nachfrage bei der Verkäuferin, weil wir unsicher waren, ob diese zu unserem Trangiasystem passt, erhielt er eine andere. Nach dem Bezahlen verglichen wir diese dann mit unserer vorhandenen Kartusche - sie schien nicht die Richtige zu sein. Ein weiterer Umtauschversuch endete mit der Androhung des Verkäufers, die Polizei zu rufen und Hausverbot. Schade, solche Erlebnisse vermiesen die gute Stimmung.

Wir hatten den Eindruck, dass die Niederländer reservierter (gegenüber Deutschen?) sind. In anderen Ländern waren die Leute aufgeschlossener. Das ist vielleicht subjektiv und liegt daran, dass wir hier in einer Urlaubsregion sind, in der die Leute einfach nur abgezockt werden. Zum Beispiel müsste man für warmes Wasser 20 Cent in den Automaten einwerfen, obwohl wir bereits 23 Euro für die Übernachtung auf dem Campingplatz bezahlt hatten.

Am Abend besuchten wir nochmal den menschenleeren Strand.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Op mooie fietspaden

15. Juli ■ Nieuwpoort - Middelburg (102 km)

Auf schönen Fahrradwegen

In Belgien am Kanal
Belfried in Brügge
In Belgien und den Niederlanden macht das Radeln selbst bei schlechtem (Nieselregen)Wetter Spaß ;-). 

Marktplatz Brügge
Nordseeküstenradweg
Die Radinfrastruktur ist beispielgebend, wir kamen praktisch nie mit dem Autoverkehr in Kontakt. Die Einheimischen nutzen das Rad als Transportmittel und nicht nur als Sportgerät. Wir sahen jegliche Arten von Fahrrädern; manchmal sehr kreative Konstruktionen. So reduziert sich wahrscheinlich der Verkehr erheblich. Das "Gerangel" zwischen Auto- und Radfahrer gibt es hier nicht, weil alle gleichberechtigt sind. Es scheint so, dass bei Straßenbauprozessen sofort auch die Radfahrer mit bedacht werden.
Hier braucht man keine festen Routen fahren, sondern kann sich auch mit dem Rad, wie man es sonst vom Auto kennt, praktisch an jeder Kreuzung entscheiden, wohin man fahren möchte - es gibt den passenden Weg.

Bei bestem Wetter abends nach Middelburg
Von Nieuwport fuhren wir am Kanal, der in etwa 10 Kilometer Entfernung zur Nordseeküste verläuft, nach Brügge. Auf beiden Seiten des Kanals gibt es einen asphaltierten und rege genutzten Radweg. Durch den Rückenwind fuhren wir 25 - 30 km/h und waren bereits mittags in Brügge. Eine sehr schöne Stadt mit einem Stadtkern aus dem 13. Jahrhundert. Wir fuhren zum Marktplatz, auf dem heute reges Treiben herrschte. Leider bei grauem Schmuddelwetter mit Nieselregen.

Nordseeküstenradweg
Über Damme radelten wir weiter nach Sluis in die Niederlande, auch hier war nichts von einer Grenze zu erkennen. Wir folgten weiter dem Nordseeküstenradweg und kamen bei Breskens an die Küste. Entlang der Küste verläuft ein wunderbarer, asphaltierter Radweg durch die Dünen.
Mit der Fähre querten wir die Westerschelde und befinden uns jetzt auf der Halbinsel Walcheren (die früher eine Insel war). Auf einem kleinem Campingplatz, bei nun wieder scheinender Sonne, fanden wir Unterkunft.

Die letzten Minuten vor Ladenschluss nutzte Andi, um unser Abendbrot zu sichern. Hier müssen wir uns wieder, im Gegensatz zu Frankreich oder England, an Schließzeiten um 19 Uhr gewöhnen.

Dienstag, 14. Juli 2015

Flandern

14. Juli ■ Éperlecques - Nieuwpoort (85 km)

Einer der letzten Orte vor der Grenze
Frankreich verabschiedete sich von uns mit 1a - Bedingungen: nach einem kurzen und heftigen Schotteranstieg gab es dann flache und verkehrsarme Straßen auf denen wir mit 20 - 25 km/h angeschoben wurden :-). Das Wetter zeigte sich bewölkt bei 22ºC und es blieb trocken.

Grenze Frankreich - Belgien
Obwohl die Region Nord-Pas-de-Calais sehr dicht besiedelt ist, durchfuhren wir ländliche Gebiete vergleichbar mit Mecklenburg-Vorpommern. Teilweise folgten wir der ausgeschilderten Nordseeroute, aber eigentlich hätten wir wahrscheinlich fast jede beliebige Straße wählen können. Viele Autos haben wir nicht gehört oder gesehen.

An den Straßenbezeichnungen bemerkten wir, dass hier teils schon flämisch gesprochen wird.
Veurne
Am frühen Nachmittag kamen wir nach Belgien. Allerdings gab es kein offizielles Grenzschild für ein Foto. Nur an den Verkehrs- und Nummernschildern der Autos erkennt man, dass es nicht mehr Frankreich ist.

Radeln in Belgien
In der kleinen Stadt Veurne schauten wir uns den schönen alten Marktplatz (es war gerade Markttag) an und legten ein "Fresspäuschen" ein.  Dabei schlugen die Glocken der St. Niclaas Kirche sogar eine Melodie. Straßenmusiker sind übrigens auch oft unterwegs :-).

Die letzten 10 Kilometer verlief der Weg entlang eines Kanals. Es fällt auf, dass man wieder mehr Alltagsradler  sieht. Das war in England und Frankreich eher wenig bis selten; oft Sportradler in entsprechendem Outfit.

Heute wird auf einem riesigen Campingplatz mit etwa 1-000 Stellplätzen geschlafen. In der hintersten Ecke gibt es auch eine kleine Wiese für Zelte, von denen 6 hier stehen. Der Weg zu den Sanitäranlagen ist nur mit dem Fahrrad zu bewältigen ;-).

Der Abend klang mit einem kleinen, feinen Stadtbummel aus.

Montag, 13. Juli 2015

Unsere Eindrücke von England

Nachdem wir 14 Tage Land und Leute kennengelernt haben, wollen wir hier unsere ersten Eindrücke aus dieser Zeit festhalten.

Die Leute begegneten uns freundlich und zuvorkommend. Wenn wir Fragen hatten oder ratlos nach dem Weg suchten, wurden wir häufig angesprochen, ob wir Hilfe brauchen.

In den Einkaufsmärkten bekommt man ungefragt jede Menge von Plastiktüten (für uns momentan vorteilhaft, da wir dafür Verwendung als Mülltüten oder Dreckwäschebeutel hatten; ansonsten eher kritisch zu beurteilen). Der Einkauf wird von zusätzlichem Personal eingetütet. Es gibt auch Selbstbedienungskassen, an denen man bei Bedarf das Einscannen selbst übernehmen kann. Von weitem wird dies stichprobenartig beobachtet. In einige Läden steht der Kassierer dem Kunden gegenüber wie an einem Tresen.

Die Lebensmittel sind sehr gut deklariert (Ampelprinzip, Tierversuche). Brot und Brötchen sind auf die Dauer "langweilig"; wir sind ziemlich verwöhnt mit der Auswahl bei uns.  Wein und Bier sind sehr teuer. Die Preise sind allgemein höher als in Deutschland.

Schilder jedweder Art gibt es grenzenlos (siehe "Schilderwald"); oft auch Selbstverständlichkeiten. 

Die Region Südwestengland erscheint sehr viel gepflegter als Südostengland. Die Rasen wirklich englisch. Im dichter besiedelten Südosten werden die Straßen(ränder) und Wege als permanenter Mülleimer benutzt. 

Für Radwege gibt es zwar umfangreiche Bemühungen, aber hier werden denen durch die hiesige Struktur (Autolobby; Besitzverhältnis) heftige Grenzen aufgezeigt. Wir mussten sehr viele "kreative" Wegverengungen (Schikanen) in Kauf nehmen an denen uns nichts anderes übrig blieb als abzusteigen, sowie hin und wieder die 50 kg-Räder!!! zu heben oder das Gepäck (10 Teile) abzupacken. Das war oft nervig und reduziert den Genuss doch erheblich. Zweimal mussten wir auf einem beschilderten Radweg den Rückzug antreten; dieses Hinweisschild fehlte ;).

Ein Teil der Wege war asphaltiert; der überwiegende jedoch unbefestigt. Die Randstreifen an Straßen waren immer geteert. Manchmal, hauptsächlich im dicht besiedelten Südosten, befand er sich der Radweg auch direkt neben einer 6-spurigen Straße.

Wie schon angedeutet scheinen die Menschen und Infrastruktur noch mehr auf Autos ausgerichtet zu sein als in Deutschland. Die Autofahrer sind aber meistens rücksichtsvoll; wir haben auf  den 1000 Kilometern eigentlich nur eine einzige brenzlige Situation erlebt und die beruhte eher auf Schlafmützigkeit des Fahrers, der Sandi die Vorfahrt nahm. Die hohen Hecken, vor allem im Südwesten, waren für uns kein Problem, da die Autofahrer auch entsprechend "geschult" waren.

London ist auch für Fahrradfahrer, die kein Problem mit Menschenmassen haben, durchaus realisierbar. Sollte man sich aber auf Sightseeingtour begeben ist der Nahverkehr empfehlenswert, jedoch die Fahrkarten schon vorher erwerben.


By by England - Back to France

13. Juli ■ Dover - Éperlecques (53 km)

Frühstück im Regen
Aufgrund der Wettervorhersage spielte das Handy um 6 Uhr die allseits beliebte Weckmelodie; eine halbe Stunde später waren wir im Waschraum. Für 8 Uhr wurde nämlich Dauerregen vorausgesagt. So konnten wir noch einigermaßen trocken frühstücken. Das "Notprogramm" funktionierte bestens. So schnell waren wir noch nie fertig.

Volle Fähre
Bei englischem Nebelregenwetter fuhren wir die 10 Kilometer auf stark befahrener Hauptverkehrsstraße zur Fähre. Zum ersten Mal war Sandi  mulmig dabei. Sie hoffte nur, dass die rote Regenjacke und die neonfarbene Warnweste auf dem Gepäck ausreichend sind. Wir hatten Glück! Gegen 9. 15 Uhr am Hafen angekommen, fanden wir nach einigem Hin und Her, aber ohne Stress, den richtigen Schalter im riesigen Fährhafen und nahmen das 10 Uhr 30 auslaufende Schiff. Es war voll ausgelastet, obwohl es im stündlichen Takt fährt.

Hier stellten wir noch die letzten Pfund für zwei heiße Latte auf den Kopf. Die nassen Socken trocknete Andi am Hochleistungshandtuchtrockner in der Männertoilette. Dort roch es für Momente nicht mehr angenehm, aber wir wollen uns ja nicht erkälten ;-).

Calais
In Calais zogen wir zum Aufwärmen das Bahnhofslokal (nicht mit Mitropa zu vergleichen) vor. Dort trafen wir Philipp aus Südwestengland wieder, den wir bereits auf dem Schiff kennenlernten. Er besucht Kriegsdenkmale in Frankreich und Belgien. Sowohl sein Vater (2. WK) als auch sein Großvater (1. WK) wurden hier verwundet und anlässlich des 100. Jahrestages ist er unterwegs. Heute schießen wir zum großen Glück nicht mehr aufeinander, sondern schwatzen gemütlich bei einem Kaffee.

Der etwas seitliche (Südwest)Rückenwind trieb uns zügig gen Osten. Die Landschaft ist (schön) flach und dünn besiedelt, und es gibt keine Hecken und Tore mehr ;-). So kann man auch mal über einen Feld- und sogar Wiesenweg fahren, was in England nicht möglich gewesen wäre.

Da das Wetter heute grau und sehr windig (der ideale Wäschetrockner) ist, soll nun heute endlich noch Wäsche gewaschen werden. So fiel die Etappe etwas kürzer aus. Wir sind auf einem tollen 4-Sterne-Platz (27 €) gelandet. Für Frankreich ist das teuer, aber mittlerweile ist auch Hochsaison.

Wir befinden uns jetzt übrigens im Land det Sch'tis ;-).

Nach allen "Pflichten" brauchten wir uns nicht selbst um die Abendmahlzeit kümmern, sondern probierten schon einmal ein traditionelles Gericht aus Flandern bei Rotwein und Dessert.

Der Wind blies lebhaft um das Zelt und machte es so richtig gemütlich.

Schilderwald in England